Kältetechniker schließt eine Monteurhilfe mit Manometern an das Außengerät einer Klimaanlage an
Druckmessung am Außengerät: Bei R410A und R32 zeigen die Manometer fast dieselben Werte, und genau das führt in die Irre.

Verfasst vom Kältetechnik-Team, Spezialisten für Kältemittel und europäische F-Gas-Konformität. Zuletzt aktualisiert: 17. September 2026.

Kann man R32 statt R410A einfüllen? Nein, und die übliche Begründung ist falsch. Bei 35 °C erreicht R32 21,90 bar absolut, R410A 21,40 bar (CoolProp-Berechnung, NIST-Referenzgleichungen): R32 steht also nicht unter geringerem, sondern unter etwas höherem Druck. Was die Umrüstung verhindert, sind die Heißgastemperatur, die Sicherheitsgruppe A2L und die Zertifizierung des Geräts.

Wichtige Erkenntnisse

Kann man R410A in einer bestehenden Anlage durch R32 ersetzen?

Nein. Wir haben keinen Hersteller gefunden, der diesen Austausch freigibt, und der Verdichterhersteller Copeland sagt es unmissverständlich: Eine R410A-Anlage darf nicht mit einem A2L-Kältemittel befüllt werden, und R410A-Verdichter oder -Komponenten sind mit einem A2L-optimierten System nicht kompatibel, umgekehrt ebenso. Ein R410A-Gerät wird weiterbetrieben, repariert oder durch ein neues Gerät ersetzt, das für sein eigenes Kältemittel ausgelegt ist.

Die Verwechslung hat einen realen Hintergrund: R410A besteht bereits zu 50 % aus R32. Daraus schließen manche, reines R32 sei eine „vereinfachte“ Version desselben Kältemittels. Das stimmt nicht. Ohne den R125-Anteil steigt die Heißgastemperatur, und das Kältemittel rutscht von Sicherheitsgruppe A1 in A2L. Das Gerät dagegen wurde für das Gemisch ausgelegt und zertifiziert.

Sie suchen das Diagnoseverfahren oder die vollständige Druck-Temperatur-Tabelle von R410A? Beides steht in unserem Praxisleitfaden zu R410A (PT-Tabelle, Diagnose, Wartung). Dieser Beitrag konzentriert sich darauf, was die beiden Kältemittel unterscheidet.

R32 und R410A: Welche technischen Unterschiede zählen wirklich?

Von sieben Eigenschaften sind für ein Bestandsgerät nur zwei entscheidend: Heißgastemperatur und Sicherheitsgruppe. Die Werte unten stammen aus den Referenz-Zustandsgleichungen (CoolProp 8.0) und beim GWP aus den Anhängen I und VI der Verordnung (EU) 2024/573. Der Sättigungsdruck ist sehr ähnlich, der kritische Punkt von R32 liegt höher, und sein GWP beträgt rund ein Drittel.

R410A und R32: Vergleich der praxisrelevanten Eigenschaften
Eigenschaft R410A R32 Folge
Zusammensetzung R32 50 % + R125 50 % Reines Difluormethan Nahezu azeotropes Gemisch (Temperaturgleit etwa 0,1 K) gegenüber Reinstoff
GWP (Verordnung 2024/573) 2.088 675 Anhang I (Grundlage: Vierter IPCC-Sachstandsbericht), gewichteter Mittelwert nach Anhang VI für das Gemisch
Sicherheitsgruppe (ISO 817) A1 A2L Andere Füllmengen- und Aufstellungsgrenzen (DIN EN 378, DIN EN IEC 60335-2-40)
Sättigungsdruck bei 35 °C 21,40 bar abs. 21,90 bar abs. Abweichung 2,3 %, im üblichen Betriebsbereich ohne Bedeutung
Heißgastemperatur (Verd. 5 °C, Kond. 45 °C, isentrop) 67 °C 80 °C +13 K rechnerisch, laut Siam Compressor etwa +20 K: der Unterschied, auf den es ankommt
Kritischer Punkt 71,3 °C / 49,0 bar 78,1 °C / 57,8 bar Größerer Abstand zum kritischen Punkt bei R32
Spezifische Kälteleistung* 163 kJ/kg 247 kJ/kg Etwa ein Drittel weniger Massenstrom bei gleicher Leistung
*Verdampfung 5 °C mit 5 K Überhitzung, Verflüssigung 45 °C mit 5 K Unterkühlung. Stoffwerte: CoolProp 8.0 (Bell et al., NIST-Referenzgleichungen), R410A-Werte identisch mit der Tabelle in unserem R410A-Leitfaden (Engineers Edge, NIST REFPROP). GWP: Verordnung (EU) 2024/573, Anhänge I und VI. Berichteter Unterschied der Heißgastemperatur: Konghuayrob und Khositkullaporn, Purdue 2016.

Der Druck: ein Scheinproblem

Häufig liest man, R32 arbeite mit niedrigerem Druck als R410A. Das Gegenteil trifft zu, wenn auch knapp. R32 ist die flüchtigere Komponente des Gemischs: Rein ergibt es einen leicht höheren Druck, von 1,8 % bei 0 °C bis 2,5 % bei 50 °C. Das Diagramm zeigt, wie eng beide Werte beieinanderliegen.

Sättigungsdruck von R410A und R32 bei 0, 20, 35 und 50 °C Gruppiertes Balkendiagramm. Bei 0 °C: R410A 7,99 bar, R32 8,13 bar. Bei 20 °C: R410A 14,44 bar, R32 14,75 bar. Bei 35 °C: R410A 21,40 bar, R32 21,90 bar. Bei 50 °C: R410A 30,65 bar, R32 31,41 bar. R32 liegt stets leicht darüber, im dargestellten Bereich um 1,8 bis 2,5 %. Sättigungsdruck (bar absolut): R410A gegenüber R32 0 10 20 30 7,99 8,13 14,44 14,75 21,40 21,90 30,65 31,41 0 °C 20 °C 35 °C 50 °C R410A R32
R410A-Werte: Tabelle aus unserem R410A-Leitfaden (Engineers Edge, NIST REFPROP). R32-Werte: Berechnung mit CoolProp 8.0, gesättigte Flüssigkeit.

Praktische Folge: Die Druckfestigkeit der Rohrleitungen ist nicht der Grund, warum eine Umrüstung ausscheidet. Die Nähe der Werte macht Fehler allerdings leicht. Am Manometer erkennen Sie nicht, ob ein Kreislauf R32 oder R410A enthält. Maßgeblich ist allein das Typenschild: Unser Leitfaden zum Kältemitteltyp Ihrer Klimaanlage zeigt, wo Sie es finden.

Die Heißgastemperatur: das eigentliche Hindernis

Unter gleichen Bedingungen verlässt R32 den Verdichter deutlich heißer. Unsere isentrope Berechnung ergibt 80 °C gegenüber 67 °C, also 13 K Unterschied. Die 2016 in Purdue vorgestellten Versuche von Siam Compressor Industry berichten von einer rund 20 K höheren Heißgastemperatur und weisen darauf hin, dass diese Wärme bei hohen Druckverhältnissen den Verdichtermotor schädigen kann.

Für R32 gebaute Geräte gleichen das mit eigener Regelung aus: Regelung der Heißgasüberhitzung und elektronische Begrenzung des Druckverhältnisses. Dieselben Autoren empfehlen R32 für Wärmepumpen übrigens nur „mit Regelung der Heißgasüberhitzung“ (Übersetzung). Ein R410A-Gerät wurde für diese Temperaturen nie abgestimmt: Schutzschwellen und Regelung sind auf das Gemisch eingestellt, nicht auf R32.

Die A2L-Entflammbarkeit ändert die Installationsregeln

R410A ist in Sicherheitsgruppe A1 eingestuft, R32 in A2L, also schwer entflammbar mit niedriger Flammengeschwindigkeit. Das ist mehr als eine Zeile im Sicherheitsdatenblatt. Daraus folgen die raumvolumenbezogenen Füllmengengrenzen der DIN EN 378 und die Anforderungen der Produktnorm DIN EN IEC 60335-2-40: elektrische Bauteile ohne Zündquelle sowie je nach Füllmenge Leckageerkennung oder Belüftung.

Ein R410A-Klimagerät wurde nie nach diesen Kriterien bewertet. Relais, Klemmleiste und Ventilator des Innengeräts müssen für den Betrieb mit einem brennbaren Kältemittel nicht geeignet sein. Wer dort R32 einfüllt, betreibt ein Produkt außerhalb dessen, wofür seine Konformität erklärt wurde.

Öl und Füllmenge: Warum sich Einstellungen nicht übertragen lassen

Beide Kältemittel laufen mit synthetischen Ölen, doch Formulierung und Viskositätsklasse wählt der Verdichterhersteller passend zur Heißgastemperatur. Richtig ist das Öl, das der Hersteller des eingebauten Verdichters vorgibt, kein „universelles R32-Öl“. Zwei Öle in einem Kreislauf zu mischen, bringt ein Zersetzungsrisiko ohne jeden Nutzen.

Auch die Füllmenge lässt sich nicht übertragen. Die spezifische Kälteleistung von R32 erreicht unter unseren Rechenbedingungen 247 kJ/kg, die von R410A 163 kJ/kg: Bei gleicher Leistung sinkt der Massenstrom um etwa ein Drittel. Expansionsventil, Kapillarrohr und Füllmenge sind auf R410A abgestimmt. Mit einem einfachen Dreisatz kommen Sie hier nicht weiter.

Warum darf man R410A niemals mit R32 nachfüllen?

Weil das Ergebnis kein R410A mehr ist. R410A ist über seine Zusammensetzung von 50/50 definiert: Füllen Sie R32 nach, verschieben Sie die Anteile und damit die Druck-Temperatur-Kurve, die Heißgastemperatur und die Sicherheitsgruppe des Inhalts. Sämtliche Herstellereinstellungen stimmen dann nicht mehr, und das Manometer verrät es Ihnen nicht, weil die Drücke nah beieinander bleiben.

Die Versuchung entsteht gerade deshalb, weil R410A schon R32 enthält. Das Ergebnis ist schlimmer als die ursprüngliche Leckage. Das Gemisch lässt sich nicht mehr als R410A aufarbeiten: Es muss vollständig abgesaugt und einem Entsorgungsfachbetrieb übergeben werden, dann folgen Evakuieren und eine Neubefüllung mit neuem oder aufgearbeitetem R410A. Die „günstige“ Nachfüllung kostet am Ende eine komplette Füllung.


Was würde eine „Umrüstung“ von R410A auf R32 wirklich kosten?

Weit mehr als einen Kältemittelwechsel. Damit ein R410A-Kreislauf unter vertretbaren Bedingungen mit R32 läuft, müssten Sie fast alles austauschen, was das Verhalten des Kältemittels und die Sicherheit des Geräts bestimmt:

  1. Den Verdichter, gegen ein Modell, das für R32 und seine Heißgastemperatur ausgelegt ist.
  2. Das Expansionsorgan und meist auch die Steuerplatine, für die Regelung der Heißgasüberhitzung.
  3. Filtertrockner und Öl, mit Spülung des Kreislaufs.
  4. Elektrische Bauteile, die Funken erzeugen können, damit DIN EN IEC 60335-2-40 erfüllt ist.
  5. Kennzeichnung und Dokumentation, dazu eine Prüfung der Füllmenge gegen die Grenzwerte der DIN EN 378 für das Raumvolumen.

Techniker arbeitet am Außengerät einer an der Fassade montierten Split-Klimaanlage
Verdichter, Expansionsventil, Steuerplatine: Bei einem Wand-Split bedeutet eine „Umrüstung“ auf R32, das Außengerät ohne Herstellergarantie neu aufzubauen.

Am Ende dieser Liste bleiben vom ursprünglichen Gerät Gehäuse, Wärmeübertrager und Verbindungsleitungen übrig. Kein Hersteller deckt einen solchen Umbau ab, und wer das Gerät so verändert, trägt die Verantwortung allein. Zum Preis von Verdichter, Platine und Arbeitszeit ist ein neues Gerät, von Anfang an für ein zulässiges Kältemittel gebaut, fast immer die bessere Wahl.

Bleibt das oft ohne Quelle genannte Argument eines Effizienzgewinns von „10 % oder mehr“. Die von Siam Compressor Industry (Purdue, 2016) veröffentlichten Versuche zeigen auf derselben Verdichterplattform eine praktisch gleiche Leistungszahl (COP): 3,33 für R32 gegenüber 3,32 für R410A. Die Heizgewinne von +6 % bei Sole-Wasser und +12 % bei Luft-Wasser entstehen erst, nachdem das System für R32 optimiert wurde.

Ist R410A verboten, und ab wann?

Für die Wartung nicht. Artikel 13 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2024/573 verbietet seit dem 1. Januar 2026 Gase mit einem GWP von 2.500 oder mehr für die Wartung von Klimaanlagen und Wärmepumpen. R410A liegt mit 2.088 darunter und ist nicht betroffen. Die Beschränkungen, die R410A treffen, betreffen das Inverkehrbringen neuer Geräte (Anhang IV, Nummer 9).

Im Umlauf sind noch Angaben, die sich auf die aufgehobene Verordnung 517/2014 stützen, samt erfundenem Zeitplan („2030: Nachfüllverbot“, „2035: GWP über 1.500“). Das sind die tatsächlichen Fristen für Split-Systeme laut Verordnungstext:

Verordnung (EU) 2024/573: was Split-Klimaanlagen und Split-Wärmepumpen betrifft
Datum Regel Fundstelle R410A R32
1. Jan. 2025 Neue Einzelsplit-Geräte unter 3 kg, GWP ≥ 750 Anhang IV, 9(a) Ausgeschlossen Zulässig
1. Jan. 2026 Wartung von Klimaanlagen und Wärmepumpen mit Gasen ab GWP 2.500 (aufgearbeitet und recycelt zulässig bis 1. Jan. 2032) Art. 13 Abs. 4 Nicht betroffen Nicht betroffen
1. Jan. 2027 Neue Luft-Wasser-Split-Geräte bis 12 kW, GWP ≥ 150* Anhang IV, 9(b) Ausgeschlossen Ausgeschlossen*
1. Jan. 2029 Neue Luft-Luft-Split-Geräte bis 12 kW, GWP ≥ 150* Anhang IV, 9(c) Ausgeschlossen Ausgeschlossen*
1. Jan. 2029 Neue Split-Geräte über 12 kW, GWP ≥ 750* Anhang IV, 9(e) Ausgeschlossen Zulässig
1. Jan. 2033 Neue Split-Geräte über 12 kW, GWP ≥ 150* Anhang IV, 9(f) Ausgeschlossen Ausgeschlossen*
1. Jan. 2035 Neue Split-Geräte bis 12 kW, alle fluorierten Gase* Anhang IV, 9(d) Ausgeschlossen Ausgeschlossen*
*Außer wenn Sicherheitsanforderungen am Betriebsort dies erfordern. Die Verbote nach Anhang IV betreffen das Inverkehrbringen neuer Geräte: Bereits installierte Geräte dürfen weiter betrieben und gewartet werden. Artikel 13 Absatz 5 (Schwelle 750 ab 2032) gilt nur für ortsfeste Kälteanlagen, Kaltwassersätze ausgenommen. Quelle: Verordnung (EU) 2024/573, Artikel 13 und Anhang IV, Text abgerufen am 17. September 2026.
Fristen der Verordnung (EU) 2024/573 für Split-Systeme, 2025 bis 2035 Lollipop-Zeitleiste. 2025: neue Einzelsplit-Geräte unter 3 kg, GWP 750 oder mehr. 2026: Wartung von Klimaanlagen und Wärmepumpen ab GWP 2.500, ohne Auswirkung auf R410A. 2027: neue Luft-Wasser-Split-Geräte bis 12 kW, GWP 150 oder mehr. 2029: neue Luft-Luft-Split-Geräte bis 12 kW, GWP 150 oder mehr, sowie neue Split-Geräte über 12 kW, GWP 750 oder mehr. 2033: neue Split-Geräte über 12 kW, GWP 150 oder mehr. 2035: neue Split-Geräte bis 12 kW, alle fluorierten Gase. Was die Verordnung 2024/573 für Split-Geräte ändert Schließt nur R410A aus Schließt auch R32 aus Wartung, R410A nicht betroffen Neues Einzelsplit-Gerät < 3 kg, GWP ≥ 750 2025 Wartung Klimaanlagen und WP, GWP ≥ 2.500 (Art. 13 Abs. 4) 2026 Neues Luft-Wasser-Split ≤ 12 kW, GWP ≥ 150 2027 Neues Luft-Luft-Split ≤ 12 kW, GWP ≥ 150 2029 Neues Split-Gerät > 12 kW, GWP ≥ 750 2029 Neues Split-Gerät > 12 kW, GWP ≥ 150 2033 Neues Split-Gerät ≤ 12 kW, alle fluorierten Gase 2035 2024 2028 2032 2036
Alle Regeln zum Inverkehrbringen (Nummer 9 Buchstaben b bis f) sehen eine Ausnahme für Sicherheitsanforderungen am Betriebsort vor. Quelle: Verordnung (EU) 2024/573.

Daraus ergeben sich zwei Schlüsse. Erstens bringt die Umrüstung eines Bestandsgeräts regulatorisch nichts, denn seine Wartung mit R410A bleibt erlaubt. Zweitens ist R32 für kleine Neugeräte keine Dauerlösung: Die Buchstaben b und c von Nummer 9 schließen es ab 2027 bzw. 2029 aus, außer bei Sicherheitsanforderungen am Betriebsort. Unser Leitfaden zur EU-F-Gas-Verordnung 2026 erläutert alle Kategorien.

Mitunter lesen Sie für R410A auch ein GWP von 1.924. Dieser Wert ergibt sich aus den Zahlen des Fünften IPCC-Sachstandsberichts. Die Verordnung 2024/573 dagegen führt in Anhang I R32 mit 675 und R125 mit 3.500, mit dem Hinweis, dass diese Werte auf dem Vierten Sachstandsbericht beruhen, und Anhang VI schreibt den gewichteten Mittelwert vor: 2.088. Einen Verweis auf den Fünften Sachstandsbericht enthält der Text nicht. So oder so liegt R410A zwischen 750 und 2.500: An der praktischen Antwort ändert sich nichts.

Behalten, reparieren oder ersetzen: Wie entscheiden Sie bei einem R410A-Gerät?

Da die Umrüstung ausscheidet und die Wartung erlaubt bleibt, lautet die Wahl: reparieren oder durch ein Neugerät ersetzen. Sie hängt vom Zustand des Geräts ab, nicht von einer gesetzlichen Frist. Den Ausschlag geben drei technische Kriterien, die Sie vor jedem Angebot prüfen können:

  1. Die Art des Schadens. Eine reparable Leckage oder ein defektes Peripheriebauteil rechtfertigen eine Reparatur mit R410A. Ein ausgefallener Verdichter in einem älteren Gerät spricht für den Austausch.
  2. Füllmenge und Dichtheitskontrolle. Bei einem GWP von 2.088 überschreitet ein Kreislauf ab 2,4 kg R410A die Schwelle von 5 Tonnen CO2-Äquivalent, ab der Artikel 5 regelmäßige Dichtheitskontrollen vorschreibt. Mit R32 wird diese Schwelle erst bei 7,4 kg erreicht. Als hermetisch geschlossen gekennzeichnete Einrichtungen haben höhere Schwellenwerte (Artikel 5 Absatz 1), was vor allem Kompaktgeräte betrifft und selten vor Ort verrohrte Split-Anlagen.
  3. Die Versorgung. Das Angebot an neuem R410A wird mit dem schrittweisen Abbau der HFKW-Quoten nach Anhang VII der Verordnung (EU) 2024/573 knapper. Für einen Gerätebestand, den Sie noch einige Jahre betreiben wollen, zählt eine gesicherte Quelle für aufgearbeitetes R410A mehr als der Tagespreis.

Techniker überarbeitet Verbindungen und Dämmung der Kältemittelleitungen einer Split-Klimaanlage
Eine undichte Verbindung wird mit R410A repariert: Die Wartung bleibt erlaubt, und diese Reparatur rechnet sich am ehesten.

Die Gegenüberstellung von Reparaturkosten und einer neuen Wärmepumpe behandelt unser Beitrag R410A-Wärmepumpe: Lebensdauer, Nachfüllkosten und der richtige Zeitpunkt für den Austausch. Beziehen Sie in diese Rechnung auch nationale Förderprogramme ein, in Deutschland etwa die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).


Für Ihren Betrieb gelten die üblichen Pflichten beim Umgang mit Kältemitteln: Sachkundebescheinigung des Personals nach der ChemKlimaschutzV, Zertifizierung des Unternehmens nach der F-Gas-Verordnung und die vorgeschriebenen Aufzeichnungen. Einen Überblick gibt unser Leitfaden zur F-Gas-Konformität in Deutschland 2026.

Für ein Neugerät: R32, R454B oder R290?

R32 dominiert heute bei Wohnraum-Split-Geräten, doch der Zeitplan oben zeigt, dass es in kleinen neuen Split-Geräten keine Zukunft hat. Welches Ersatzgerät passt, hängt deshalb von Leistung, Bauart (Luft-Luft oder Luft-Wasser) und den Sicherheitsvorgaben am Aufstellort ab. Die drei gängigen Optionen:

Kältemittel für Ersatzgeräte: GWP und Sicherheitsgruppe
Kältemittel GWP Gruppe Worauf zu achten ist
R32 675 A2L Ausgeschlossen für kleine neue Luft-Wasser-Split-Geräte (2027) und Luft-Luft-Split-Geräte (2029), außer bei Sicherheitsanforderungen
R454B 466* A2L Gleiche Grenze wie R32 bei kleinen Split-Geräten. Nicht mit R454C (146) verwechseln
R290 (Propan) 0,02 A3 Unter der Schwelle von 150, aber hoch entflammbar: begrenzte Füllmengen, vor allem in Innenräumen
*Üblicher Wert des gewichteten Mittels aus R32 68,9 % / R1234yf 31,1 %. Mit dem Wert aus Anhang II für R1234yf (0,501) ergibt die Rechnung etwa 465. R290: Anhang VI. Quelle: Verordnung (EU) 2024/573.

Einen ausführlichen Vergleich dieser Kältemittel finden Sie in unserem Leitfaden zu Kältemitteln mit niedrigem GWP und in unserem umfassenden Leitfaden zu R454B. Es gilt stets dieselbe Regel wie zwischen R410A und R32: Ein Gerät läuft mit dem Kältemittel, das auf seinem Typenschild steht, und mit keinem anderen.


Häufig gestellte Fragen

Kann man in einer bestehenden Klimaanlage R32 statt R410A einfüllen?

Nein. Wir haben keinen Hersteller gefunden, der diesen Austausch freigibt. R32 ist in Sicherheitsgruppe A2L eingestuft, also schwer entflammbar, während das Gerät für ein A1-Kältemittel ausgelegt und zertifiziert wurde. Zudem liegt seine Heißgastemperatur um 13 bis 20 K höher und belastet einen Verdichter, der dafür nicht vorgesehen ist. Eine R410A-Anlage wird mit R410A gewartet oder durch ein neues Gerät ersetzt, das für sein eigenes Kältemittel ausgelegt ist.

Darf man eine R410A-Füllung mit R32 ergänzen?

Nein. R410A besteht bereits zu 50 % aus R32 und zu 50 % aus R125. Wer R32 nachfüllt, verschiebt die Zusammensetzung: Das Gemisch ist kein R410A mehr, und die Einstellungen des Herstellers gelten nicht mehr. Die gesamte Füllung muss abgesaugt und einem Entsorgungsfachbetrieb übergeben werden, danach wird der Kreislauf mit neuem oder aufgearbeitetem R410A befüllt.

Wird R410A für die Wartung von Klimaanlagen und Wärmepumpen verboten?

Nach dem aktuellen Text nicht. Artikel 13 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2024/573 verbietet seit dem 1. Januar 2026 Gase mit einem GWP von 2.500 oder mehr für die Wartung dieser Geräte, und R410A liegt mit einem GWP von 2.088 darunter. Die ab 2032 geltende Schwelle von 750 (Artikel 13 Absatz 5) betrifft nur ortsfeste Kälteanlagen, Kaltwassersätze ausgenommen.

Liegt das GWP von R410A bei 2.088 oder bei 1.924?

Nach der Verordnung (EU) 2024/573 bei 2.088: Anhang I nennt 675 für R32 und 3.500 für R125, Werte auf Grundlage des Vierten IPCC-Sachstandsberichts, und Anhang VI schreibt den gewichteten Mittelwert vor. Die Zahl 1.924 ergibt sich aus den Werten des Fünften Sachstandsberichts, auf den der Verordnungstext nicht verweist. In beiden Fällen liegt R410A zwischen den Schwellen von 750 und 2.500.

Kann ich meine R410A-Manometer und Füllschläuche für R32 verwenden?

Die Sättigungsdrücke von R32 liegen nur rund 2 % über denen von R410A. Ein für R410A ausgelegter Satz Manometer und Füllschläuche deckt den Bereich daher in der Regel ab, sofern der vom Hersteller angegebene Betriebsdruck eingehalten wird. Absauggerät und Vakuumpumpe müssen dagegen laut Herstellerangaben ausdrücklich für A2L-Kältemittel geeignet sein.

R32 oder R410A: Das Wichtigste in Kürze

R32 und R410A haben fast denselben Druck, und genau deshalb werden sie so oft verwechselt. Was sie trennt, liegt woanders: eine um 13 bis 20 K höhere Heißgastemperatur, die Sicherheitsgruppe A2L und ein Gerät, das für genau ein Kältemittel zertifiziert ist. Eine R410A-Klimaanlage wird nicht auf R32 umgerüstet. Sie wird mit neuem oder aufgearbeitetem R410A gewartet, bis ihr Zustand einen Austausch rechtfertigt.

Die Verordnung setzt Sie nicht unter Zeitdruck: Für R410A in Klimaanlagen und Wärmepumpen gibt es keine Wartungsfrist. Für Ihre Einsätze am Gerätebestand ist unser R410A für den europäischen Markt in mehreren Gebindegrößen erhältlich. Unsere Zertifikate können Sie online einsehen.

Hinweis: Die thermodynamischen Werte wurden unter den angegebenen Bedingungen berechnet und können je nach Gerät und Betriebsbedingungen abweichen. Beachten Sie stets die Herstellerunterlagen. Die regulatorischen Angaben geben den Text der Verordnung (EU) 2024/573 mit Stand 17. September 2026 wieder und stellen keine Rechtsberatung dar. Bei Fragen zu Ihrer Anlage kontaktieren Sie uns.